Furth
Sonntag, 18. November 2018

Zentraler Volkstrauertag 2018

Guter Zuspruch bei zentralem Volkstrauertag in Arth - Bürgermeister und Pfarrer gedenken der Toten besonders des Ersten Weltkriegs welcher vor 100 Jahren zu Ende ging.

Rede von Bürgermeister Andreas Horsche anlässlich des zentralen Volkstrauertages in Arth 2018:

Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Bis vor kurzem war ich noch auf Gehhilfen angewiesen. Durch eine Verletzung war ich über 8 Wochen eingeschränkt. Im Rahmen eines Referats über unserer Gemeinde besuchte ich die Stadt Berlin und fuhr dort mit der U-Bahn. Ein Mann bot mir einen Platz an. Ich zögerte. Etwas zu spät entschied ich mich den Platz doch zu nehmen. Doch in diesem Moment fuhr die Bahn an und ich verlor das Gleichgewicht. Im Sekundenbruchteil suchte ich etwas panisch etwas zum Festhalten. Doch dazu kam es nicht. Insgesamt drei Personen griffen nach mir und hielten mich fest das ich nicht fiel. Wie selbstverständlich.  
Wir gedenken heute gemeinsam in unserer Gemeinde zum 99. Mal den Gefallenen der Kriege. Im Jahre 1918 endete mit über 17 Millionen Toten der Erste Weltkrieg. In  Europa, im Nahen Osten, in Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen fielen Soldaten und kamen zahlreiche Zivilisten ums Leben. 
Die aktuellen Tage sind bedeutungsschwanger und erinnern an allen medialen Enden an die Schrecken des Ersten Weltkrieges und seine negativen und aber auch positiven Folgen. Denn mit der Revolution und der Abdankung der Monarchie wurden elementare demokratische Faktoren in unserer deutschen Gesellschaft etabliert. In München wurde durch Kurt Eisner und die bayerische Arbeiter, Bauern und Soldatenregierung die Münchner Räterepublik ausgerufen. Es wurde das Frauenwahlrecht eingeführt und erste Schritte der Gerechtigkeit im Arbeitsleben im Wahlrecht und in der Gleichberechtigung von Mann und Frau begangen. Das Regierungssystem der Monarchie hatte ausgedient und wurde durch die Demokratie ersetzt. 
Doch wie es immer geschieht, fraß auch die Revolution der Räterepublik ihre Kinder. Der bisher einzige bayerische SPD-Ministerpräsident Kurt Eisner wurde durch einen Anhänger der Thule-Bewegung ermordet. 
Die tiefe Spaltung, welche das Ende des ersten Weltkriegs, die Dolchstoßlegende und der Vertrag von Versaille in Deutschland verursachte, waren die Voraussetzungen das ein nationalsozialistisches System überhaupt entstehen konnte. Die Belastungen, welche Deutschland auferlegt wurden mündeten am Ende in den Aufstieg des Nationalsozialismus, die Machtergreifung, vor 80 Jahren in die Reichskristallnacht und in den zweiten Weltkrieg.
Die Toten mahnen uns!
In unseren alltäglichen Leben ist es ganz normal, dass es Konflikte mit anderen Menschen gibt. Mit Arbeitskollegen, Vorgesetzten oder vielleicht auch dem Partner. In diesen Konflikten spüren wir oft wie sich eine Grenze nach der anderen nähert. Wie es am Anfang um die Sache geht. Später darum Recht zu behalten. Dann überhaupt die Oberhand, die Lufthoheit über den Konflikt zu sichern. Das nennt man eine Eskalation. Wenn nicht das grundlegende Verständnis, der grundlegende Wille nach Frieden und einer Lösung in jeder Auseinandersetzung in uns wohnt kann diese Eskalation sich weiter verschärfen. Dann geht es mir auf einmal darum dem anderen Schaden zuzufügen. Und am Ende nur noch darum ihn psychisch, gesellschaftlich oder sogar physisch zu vernichten. 
Die Toten mahnen uns! Sie mahnen uns nach Frieden zu streben. Den Anheizern dieser Welt keinen Raum zu geben. Selbst die Schwachen zu unterstützen und die Verantwortung für Hilfsbedürftige zu übernehmen. 
Wir tragen diese Verantwortung und wir müssen ihr gerecht werden. Sei es durch kleine Gesten wie das Halten damit jemand nicht stürzt oder durch eine aktive Entscheidung Teil einer besseren Welt sein zu wollen. Lassen Sie uns auch im nächsten Jahr - in dem sich die deutsche Wiedervereinigung zum 30. Mal jährt - mit wachsamen Augen durch die Welt gehen, dem Freund ein Freund sein und Frieden stiften. Dann wäre der Tod unserer Vorfahren nicht umsonst gewesen. Dann hätten wir etwas daraus gelernt. 
 

Zur Erinnerung und Mahnung der Toten, Vermissten und Verwundeten der beiden Weltkriege und zur Erinnerung aller Opfer von Terror und Krieg auf der ganzen Welt lege ich im Namen der Gemeinde Furth diesen Kranz nieder. 

Bgm. Andreas Horsche verneigt sich vor den Gefallen, Toten und Vermissten von Krieg und Gewaltherrschaft
Pfarrer Nußbaum hielt den Gottesdienst und sprach das Gebet am Kriegerdenkmal